Jubiläum: 45 Jahre Erich Kästner Kinderdorf am 1. Juli 2019

 

Jubiläumsfachtag:
"Halt durch Haltung!"

Kabarett:
Stefan Waghubinger "Jetzt hätten die guten Tage kommen können"

 

Jubiläumsfachtag: Halt durch Haltung!

45 Jahre Heimerziehung im Erich Kästner Kinderdorf bedeuten steter Wandel. Die Vision der Gründerin Gunda Fleischhauer wurde Wirklichkeit: Kindern eine langfristige Heimat zu schenken, die keine mehr haben. Über die Jahre hinweg ist das Erich Kästner Kinderdorf gewachsen, so wie auch viele junge Menschen bei uns aufgewachsen sind. Heimerziehung bedeutet für uns, wie vor vielen Jahren bereits beim Jubiläum benannt: Heim kommt von Heimat. Dafür brauchen wir begeisterte Menschen, die unseren Kindern und Jugendlichen Halt bieten. Heimat bieten heißt zu manchen Zeiten auch aushalten und durchhalten. Die Basis allen pädagogischen Handelns ist die HALTUNG, die jeder einzelne mitbringt. Durch die Traumapädagogik-Bewegung wird die Haltung pädagogischer Fachkräfte zunehmend in den Fokus gestellt. Welche Haltung brauchen unsere Kinder und Jugendlichen von uns als Wegbegleiter, damit sie Wurzeln schlagen und wachsen können? Wie können wir den leidvollen Biographien und ihren Auswirkungen entgegentreten und die Haltung in Konzepten und Methoden umsetzen?

Wir möchten Sie herzlich einladen mit uns Haltung zu entwickeln und Haltung zu zeigen. Lassen Sie sich bereichern durch die fachlichen Impulse und genießen Sie die schöne Atmosphäre in unserem Salon. Der Tag läuft wie folgt ab:

9.00 Uhr Ankommen

9.30 Uhr Begrüßung

10.00 Uhr Fachvortrag: Traumapädagogik für Alle! (Lydia Hantke, Hans Joachim Görges)

11.30 Uhr Pause

11.45 Uhr Vorstellung der einzelnen Konzepte/Methoden

13.00 Uhr Mittagspause

14.00 Uhr Stationen

  • Hey ich bin normal! (Anja Sauerer/Antonia-Werr-Zentrum)

  • Ich bin die Expertin im Umgang mit meinem selbstverletzenden Verhalten (Karin Strempel/Antonia-Werr-Zentrum)

  • Die Stabilisierungsgruppe (Thabo Held/Jugendhilfe Creglingen)

  • Bärenstarke Haltung (Verena Dörler, Wolfgang Gantioler, Jürgen Schwendinger/Kinderdorf Kronhalde, Bregenz)

  • Willst Du mich überhaupt verstehen? (Petra Mader, Stefanie Peschel/Erich Kästner Kinderdorf)

16.30 Uhr Standpunkt

17.00 Uhr Ende

Wir möchten Ihnen die Möglichkeit bieten von allen Konzepten/Methoden, die sich vorstellen Informationen mitzunehmen. Deswegen wird der Nachmittag, mit Bewegung verknüpft, die Möglichkeit bietet an allen fünf Themen teilzunehmen.

Kosten inkl. Verpflegung: 85 Euro, zahlbar bei Erhalt der Anmeldebestätigung (Anmeldung unter: leitung@erich-kaestner-kinderdorf.de)

 

Beschreibung der Inhalte und der Referent*innen

Fachvortrag: Traumapädagogik für alle!
Wie der traumasensible Blick die pädagogische Haltung verändert

Die neueren Ansätze der Traumatheorie sind nicht nur für die Arbeit mit Menschen nützlich, bei denen erwiesenermaßen Traumatisierungen vorliegen. Diese neue Brille ermöglicht einen differenzierteren Blick auf Wachstum und Integrationsfähigkeit bei uns allen. Und das anscheinend so komplizierte Modell der Dissoziation ist eigentlich ganz einfach und macht so den pädagogischen Alltag um einiges leichter! Heraus kommen einfache Ideen für die Arbeit mit Kindern Jugendlichen und Erwachsenen auf der Basis einer ressourcenorientierten traumapädagogischen Haltung.

Lydia Hantke und Hans-Joachim Görges

leiten das Ausbildungsinstitut „institut berlin“ am gleichnamigen Ort, sind beide im Grundberuf Psycholog*in und haben Ausbildungen in Systemischer Therapie, Hypnotherapie und diversen Traumatherapieverfahren absolviert. Sie waren und sind in verschiedensten pädagogischen, beraterischen und therapeutischen, sowie supervisorischen Zusammenhängen tätig. institut berlin bietet seit 2002 Weiterbildungen in Traumapädagogik und Traumafachberatung an, ganz neu ist ein Curriculum für Traumasensible Supervision.

Näheres siehe institut berlin .

 

Stationen:

Hey, ich bin normal!

Das ist der Titel und zugleich die Botschaft des an dieser Station vorgestellten Buches. Erstmalig haben Expertinnen für herausfordernde Lebensumstände mit Profis zusammen ein Buch für Kinder, Jugendliche und Profis zum Traumaverstehen geschrieben. Die Expertinnen sind Mädchen und junge Frauen, die herausfordernde Lebenssituationen gemeistert haben und es heute auch noch tun. Sie schreiben darüber was hilft, zurechtzukommen.

Eine der Herausgeberinnen, Anja Sauerer, wird dieses Buch vorstellen.

Anja Sauerer

Geschäftsführerin und Gesamtleiterin der Antonia-Werr-Zentrum GmbH
Erzieherin, Diplom-Sozialpädagogin, systemische Beraterin (DGsP), ausgebildet im Sozialtherapeutischen Rollenspiel (ASIS), Traumapädagogin (DeGPT – Fachverband Traumapädagogik)

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Ich bin die Expertin im Umgang mit meinem selbstverletzenden Verhalten

In der stationären Jugendhilfe fordert selbstverletzendes Verhalten eine feinfühlige, transparente und auf Partizipation beruhende Begleitung der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, damit sie sich wieder selbstbemächtigen und ihr Leben selbstbewusst in die Hand nehmen können.

Diese Station stellt die Entwicklung und die Umsetzung eines traumapädagogisch-verhaltenstheoretischen Konzepts zum Umgang mit selbstverletzendem Verhalten vor. 

Es wird darauf eingegangen wie Jugendliche und junge Erwachsene auf der Grundlage ihrer Expertinnenschaft für herausfordernde Lebenssituationen, ihre emotional-körperlichen Anspannungszustände nach und nach besser verstehen lernen und dem wiederkehrenden Schneidedruck anders als selbstverletzend entgegentreten können.  

Karin Strempel

Leitende Psychologin Antonia-Werr-Zentrum St. Ludwig, Psychologische Psychotherapeutin
Schwerpunkte meiner Arbeit: Traumatherapie, EMDR, Familientherapie, Traumapädagogik

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Die Stabilisierungsgruppe - ein sicherer und haltgebender Ort für traumatisierte und emotional hoch belastete Kinder im Alter von 6 - 12 Jahren. 

Thabo Held

Dipl. Sozialpädagoge (FH) und Bereichsleiter der pädagogisch-therapeutischen Hilfen der Jugendhilfe Creglingen e.V.. Herr Held baute die erste Intensivgruppe der Jugendhilfe Creglingen e.V. mit auf. Seit drei Jahren leitet er die Stabilisierungsgruppe in Tauberbischofsheim und ist für das neue Bauernhofprojekt verantwortlich.

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Bärenstarke Haltung - Was wir vom kleinen Bären lernen können.

Wenn wir das Verhalten unserer Kinder und Jugendlichen beobachten, erleben wir häufig Machtkämpfe, die verbal und körperlich aggressiv geführt werden. Im Verhalten der Kinder und Jugendlichen spiegelt sich, was uns durch die analogen und digitalen Medien permanent infiltriert wird. Überleben bedeutet hier häufig die Abwertung des Gegenübers, um selbst größer zu sein. Abwertung ist als gesellschaftliches Phänomen sehr präsent und die chronische Angst, nicht zu genügen, ist eine wachsende traumatische Erfahrung unserer Zeit und belastet Kinder und Jugendliche massiv.

Menschliche Größe entsteht nicht durch die Unterdrückung der Schwachen, sondern durch das Erleben von Einzigartigkeit und gelingender Kooperation. Wir beschäftigen uns seit fünf Jahren intensiv mit Traumapädagogik.

Traumapädagogik meint die Schaffung eines Lern- und Lebensraumes, in dem die Kinder und Jugendlichen Selbst- und Fremdwahrnehmung in einem neuen Umfeld lernen können. Sie werden unterstützt, Selbstregulierung auszuprobieren und Beziehungen flexibler zu gestalten. Basiskompetenz der MitarbeiterInnen ist die Fähigkeit, Spannungszustände einzuschätzen und die Kinder immer wieder mit Angeboten zu begleiten, die sie in ihren Ressourcenbereich, in ihre Einzigartigkeit, führen.


Mag. Jürgen Schwendinger, Systembegleiter Psychologe und Psychotherapeut

Wolfgang Gantioler, Hausleiter der familiären Wohngruppe Sozialpädagoge

Mag. Verena Dörler, Bereichsleiterin, Erziehungswissenschaftlerin, Psychotherapeutin

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„Willst du mich überhaupt verstehen?“

Vorgestellt wird das SchulCHEN, eine besondere traumapädagogische Beschulungsmaßnahme, die Kindern und Jugendlichen mit Traumata zeigen will, dass Schule ein Ort der Freude und bedingungslosen Annahme sein kann. Durch den positiv erlebten Schulalltag werden die Schülerinnen und Schüler unterstützt, ihr Recht auf Bildung wahrnehmen zu können. Während des Stationenlaufs machen wir uns gemeinsam, anhand von Fallbeispielen, auf die Suche nach dem Verständnis für den „guten Grund“.

Stefanie Peschel, Dipl. Sozialpädagogin (FH), Traumapädagogin und traumazentrierte Fachberaterin (DeGPT/BAG), päd. Leitung SchulCHEN

Petra Mader, Studienrätin im Förderschuldienst (AV), Traumapädagogin und traumazentrierte Fachberaterin (DeGPT/BAG), Leitung SchulCHEN


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Am Abend möchten wir Sie einladen, den Tag mit uns beim Kabarett mit Stefan Waghubinger ausklingen zu lassen. Die Zeit zwischendurch können Sie gerne nutzen, um sich unsere Erich Kästner Bibliothek in der Steinmühle in Oberschwarzach zeigen zu lassen.



Kabarett: Stefan Waghubinger - "Jetzt hätten die guten Tage kommen können"

In seinem dritten Soloprogramm hat es Waghubinger ganz nach oben geschafft. Auf dem Dachboden der Garage seiner Eltern sucht er eine leere Schachtel und findet den, der er mal war, den, der er mal werden wollte und den, der er ist.
Es wird also eng zwischen zerbrechlichen Wünschen und zerbrochenen Blumentöpfen, zumal da noch die Führer der großen Weltreligionen und ein Eichhörnchen auftauchen.

90 Minuten glänzende Unterhaltung trotz verstaubter Oberflächen. Aber Vorsicht, zwischen den morschen Brettern geht es in die Tiefe.

"Es ist tieftraurig und zugleich zum Brüllen komisch, banal und zugleich verblüffend geistreich, zynisch und zugleich warmherzig. Vor allem aber ist es eins: verdammt gut."
Böblinger Bote

"Federleicht und geschliffen. Es gibt nur wenige Kabarettisten, die es mit Waghubingers Formulierungskunst aufnehmen können - und es gibt nur ganz wenige Kollegen, bei denen geschliffene Texte so federleicht durch den Saal schweben."
Allgemeine Zeitung Mainz

 

"Plötzlich hat man keinen Boden mehr unter den Füßen und dann hat man Angst ohne Grund."
(aus: "Jetzt hätten die guten Tage kommen können")

Die Veranstaltung findet im Salon des KästnerHofes in der Wiesenmühle in Oberschwarzach in gewohnter Kästnerwochenatmosphäre statt. Wir bitten auf Grund der begrenzten Platzzahl um rechtzeitige Anmeldung.

Der Eintritt ist für Besucher des Fachtages frei!
Der Eintrittspreis an der Abendkasse beträgt 17,50 €.